Die Synagoge als Betraum

Die Synagoge in Memmelsdorf (Ufr.) wurde 1728/29 errichtet. Baumeister des Sandsteinquaderbaus (Grundriss: 13 mal 13 Meter) war vermutlich Johann Georg Salb, der 1722 auch die protestantische Pfarrkirche in Memmelsdorf erneuerte – Juden durften zu dieser Zeit keine Handwerksberufe ergreifen.

Hauptraum, Innenansicht vor 1916, Blick zur Ostwand<br>© 1916 R. Oldenbourg Verlag

[ Hauptraum, Innenansicht vor 1916, Blick zur Ostwand
© 1916 R. Oldenbourg Verlag ]

Das Gebäude wurde im Lauf der Nutzung immer wieder verändert. Der Boden des Hauptraumes war zunächst mit Sandsteinplatten bedeckt, die Sitze zogen sich an den Wänden entlang und waren auf das achteckige Vorlesepult (Almemor) in der Raummitte ausgerichtet. Über den Raum war ein Holztonnengewölbe gespannt, das im 19. Jahrhundert durch eine Flachdecke ersetzt wurde. Um 1914 wurden die Bänke auf Holzpodeste gestellt und zum Toraschrein an der Ostwand ausgerichtet. Außerdem verlegte man quadratische Bodenplatten mit Prägung auf die Sandsteinplatten und erweiterte den Almemor.

Zwischen der Fertigstellung 1729 und der letzten Renovierung 1925 sind im Hauptraum sieben verschiedene Wand- und fünf verschiedene Fassungen der Flachdecke nachweisbar. Die letzte Wandgestaltung zeigt weinrote, weiß abgesetzte Kassetten auf einem blaugrauen Hintergrund, die durch ein Zick-Zack-Fries abgeschlossen werden.

An der Nordseite des Hauptraumes wurden zwei weitere Räume untergebracht: im Erdgeschoss eine Wohnung für den jüdischen Lehrer, darüber die Frauenempore, deren große, mit hölzernen Ziergittern verdeckte Fenster einen Blick in den Betraum gewährten. Vor dem Haupteingang an der Südseite befand sich ursprünglich ein Vorbau, von dem aus man in den Hauptraum hinunter stieg.

Die Synagoge in Memmelsdorf wurde 210 Jahre als Betraum genutzt. Ab Mai 1938 verhandelte die jüdische Gemeinde wegen zu geringer Mitgliederzahlen mit dem Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden über einen Verkauf des Gebäudes. Am 10. November 1938 zwangen SA-Männer die männlichen Gemeindemitglieder, alle beweglichen Gegenstände aus der Synagoge zu reißen und auf einem Feld vor dem Dorf zu verbrennen. Das Gebäude selbst wurde wegen der Nähe zu umliegenden Häusern nicht zerstört und am 10. August 1939 von der jüdischen Gemeinde an die Gemeinde Memmelsdorf verkauft. Von der Inneneinrichtung überstand nur der aus Stein gebaute Toraschrein beinahe unbeschadet die Verwüstung.